Das neue Gefühl: UNFREI

"Kinder, geht doch mal an die frische Luft raus!" - Wie oft werden Eltern den Satz ihren Kindern in den vergangenen Monaten (Jahren!) schon gesagt haben... Dabei wollten aber die "Pubertiere" gar nicht raus, - bäh! Frische Luft - so was Ekliges!!!! Sondern viel lieber wollten sie gelangweilt rumlungern, Chips essen, Schokolade reinstopfen und mit ihren Freunden chatten. "Lass mich doch einfach mal chillen!" - Genau. Wie seit dem Zeitpunkt, als du zur Welt kamst... An der Brust abhängen und chillen. Lieber bequem daheim auf dem Bett, der Couch liegen und vor allem: mit dem Handy in der Hand, nein, in BEIDEN Händen. Man braucht ja was zum Festhalten. WhatsApp und Facebook - das reicht doch. Ein Gefühl von Freiheit!

 

Aus und vorbei der Traum! Jetzt, in Zeiten der Corona-Pandemie, da wollen sie plötzlich raus, die Plagegeister, entdecken die Fenster und Türen, die es in der Wohnung und im Haus gibt, sie möchten ihre Freiheit! Ups... was für ein Wort... Diese Form von Freiheit wollt ihr? Warum nur? Weil... Weil... ein neues Gefühl geboren ist: UNFREI. Nein, so neu ist es natürlich nicht, denn wir brauchen nur Gefangene in einem Gefängnis zu fragen oder manche Patienten in Krankenhäusern oder ältere Menschen in Pflegeheimen. Die wissen Bescheid, wie das ist, wenn man möchte und nicht mehr darf oder kann.

 

Der klassische "Lagerkoller" trifft jetzt viele. Ich wette, dass wir ein paar Babys mehr in einigen Monaten haben werden (Vornamen: Corona, Carina, Corina, Corinna). Warum keine Jungs? Weil nur Frauen wirklich Krisenresistenz besitzen ("Trümmerfrauen" nach dem II. Weltkrieg). Und Scheidungen wird es mehr geben: Kein Rosenkrieg, sondern Corona-Kriege finden statt, und die Anwälte verdienen auch daran. Mit Mundschutz bei der Beratung. Logisch!

Kurz... wir spüren jetzt schon, wie uns die Decke auf den Kopf fällt. Was kann man dagegen tun? Ganz einfach: Von den Mönchen der alten Klöster lernen! Die haben Erfahrung mit Quarantäne! Nicht umsonst gibt "der" deutsche Benediktiner schlechthin (P. Anselm Grün) jetzt auch ein Buch raus: QUARANTÄNE. Eine Gebrauchsanweisung - Wie passend! Ehrlich. Hab schon Angst, dass es vergriffen ist wie Klopapier. Aber die Qualität wird besser sein!

Anselm Grün wird in diesem Buch aufzeigen, dass Mönche das Leben in Quarantäne gewohnt sind. Die Zimmer sind nicht unbedingt groß, die "Familie" ist auch immer da, man begegnet sich... aber... und da liegt der Unterschied: Man kommuniziert nicht ständig, indem man miteinander reden MUSS. Es gibt Zeiten der Stille (Tipp: KOPFHÖRER) und Zeiten des Schweigens (Tipp: Klappe halten!); Zeiten der Muße (Tipp: geh einem kreativen Hobby nach!, lies mal ein Buch (oder höre es)! Schreib Gedichte, male ein Bild!); Zeiten der Arbeit (Tipp: bügeln lernen, Geschirr mit der Hand spülen, aufräumen, staubsaugen etc.) - Alles im Schweigen! Das tut verdammt gut. Ich garantiere: ein neues Gefühl von Freiheit stellt sich ein... Ach ja, beten geht auch... für die Frommen von euch.

Ich meine das ganz ernst. Mönche leben in den Klöstern von Rhythmen. Alles hat seine Zeit. Und in Zeiten von Corona ist es wichtig, diese Zeiten sinnvoll zu gestalten. "Aus-Zeiten" nehmen -  auch mal von "zu viel" Gespräch. Zeit dafür zum Schweigen, allein einen Spaziergang machen, die Natur bewusst wahrnehmen (das Leben auf lautlos schalten, dafür mehr hören!), im Garten arbeiten - oder ... noch besser: Biete in deiner Nachbarschaft älteren Menschen an, für sie Besorgungen zu machen. Und die, die sowieso allein sind? Du rufst einfach mal jemanden an oder schreibst einen Brief - sowas tut auch der eigenen Seele gut.

Diese Zeit der World-Wide-Silence ist eine Fastenzeit der besonderen Art. Wir werden von dem Corona-Virus in die Knie gezwungen. Wer hätte das gedacht? Also... machen wir das Beste daraus.

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