Entscheidend ist der Plan B

Wenn man gegen die Wand fährt, ein Projekt scheitert, eine Idee wie ein Traumschloss zerplatzt und die Pläne durchkreuzt werden, stehen wir meistens wie Ochsen vorm Berg. Vor lauter Bäumen sehen wir den Wald nicht mehr, uns wird abwechselnd rot und schwarz vor Augen, der Boden unter unseren Füßen bricht weg und ein Schritt weiter ... und der Abgrund hat uns erwischt.

 

Das passiert immer dann, wenn wir Menschen uns nur auf eine einzige Sache konzentrieren, angeblich nur einen einzigen gangbaren Weg in den Blick nehmen. Wenn wir "einspurig" unsere Lösung vor Augen haben und mit dem Satz untermauern: "So, und nur so geht es!" Das ist ein Irrtum. Nicht nur, weil ich die Erfahrung machen durfte, dass es nie nur EINE Lösung gibt. Mein "Firmenmotto" lautet nicht umsonst: "Es gibt immer mehr als eine Lösung!" - damit meine ich nicht nur die Quantität der Lösungen, sondern mit dem "mehr" auch eine Qualität, die über eine Lösung hinausgeht. Wir wollen ja nicht überleben, sondern leben...

 

Was also ist bei der Planung unseres Lebens zu tun? Schlicht und egreifend: Einen Plan B entwickeln. Als Schachspieler weiß ich (und die meisten Strategiespiele leben davon), dass man immer ein paar Schritte vorausdenken muss. Wir denken aber oft nur in der Kategorie voraus: Was kommt nach A, was nach B und was nach C? Wir bleiben linear immer erfolgsorientiert. Insgesamt ja richtig gedacht. Wer denkt schon gerne: Wenn das nicht klappt, was mach ich dann? Und wenn das auch nicht geht, was funktioniert dann noch? Aber wenn diese Stricke reißen, was ...? usw. - Nein. Kein Modell des "Wie scheitere ich glücklicher?" - sondern: Wie kann ich planen und einkalkulieren, dass hier und da meine Rechnung nicht aufgeht? In der Computersprache "Basic", die ich als Schüler in Informatik erlernte, gab es die sog. "if ... then ..."-Formel. Wenn - dann. Wenn die Zahl 1 ist, dann mach das und das. Wenn die Zahl 2 ist, dann mach jenes oder dieses. Wenn die Zahl 0 ist, dann mach nichts.

 

So sollten auch unsere Pläne aussehen. Bei jeder Jugend-Ferienfreizeit haben wir so die Tagesplanung gemacht. Es gab eine Grundplanung und dann... die Schlechtwettervariante. Und selbst die war oft noch unterteilt. Das Gefühl: "Das geht alles nicht!" kam gar nicht erst auf. Sondern direkt: "Okay, dann greift jetzt Plan B."

Wie nun DEIN konkreter Plan B für diese oder jene Gelegenheit aussieht, vermag ich nicht zu sagen. Aber es gibt fünf Kriterien, die für mich wichtig sind:

(1) FINALISATION: Wie auch immer dein Plan letztendlich verläuft, entscheidend ist, dass du am Ende deine Ziele erreichen kannst. Es muss nicht das große "Finale" sein, wie bei einer WM. Aber du musst am Ende wie die Stimme des Navi's sagen können: "Wir haben das Ziel erreicht!" Doch dazu musst du für dich erstmal deine Ziele genau ins Wort bringen: Wo will ich hin? Was möchte ich erreichen? Welche "neue" Situation zeigt sich am Ende gegenüber dem "bisher"? und... Was möchte ich auf keinen Fall?

(2) EVALUATION: Auf der Skala-Einstufung der Zufriedenheit (valere) mit deinen Zielen braucht es einen gewissen Spielraum. Von Null bis Zehn kann man nicht immer die Zehn ("fantastisch") erreichen. Wenn du mit 6 oder 7 auch zufrieden bist, dann halte dies als "Minimalbewertung" für dich fest!

(3) CONSULTATION: Man sollte Prozesse, Pläne und Entscheidungen nicht alleine mit sich aushandeln. Es ist gut, jemanden als "Reisebegleiter" (Coach/Therapeut/Berater etc.) an der Seite zu wissen. Lass dir helfen!

(4) ACCOMMODATION: In Plan A muss es Anpassungsformen (accommadatio) geben, die - bei geringer Veränderung -  dennoch zum gleichen (oder adäquaten) Ergebnis führen.

(5) KOMPENSATION - Sollte sich dieser Weg aber tatsächlich als absolut unmöglich zu realisieren herausstellen, muss Plan B als echte Ersatz-Alternative (compensatio) zum Einsatz kommen. Doch Achtung: Plan B sollte kein billiger "Ersatz" sein, eher eine echte Alternative. Und mit Plan B wiederholst du die Schritte 1-3.

Gleiches gilt im therapeutischen Bereich. Es ist wichtig, dass ein Klient mit dem Therapeuten seine Ziele festlegt ("Therapieplan") und immer wieder auch überprüft, ob man noch als Reisender die richtige Richtung einschlägt. Auch ist nicht jede Therapieform (-technik) zu jeder Zeit die Beste. Da käme die "VARIATION" noch hinzu.

 

(c) RMM (2020)