Mitreden - wenn du kompetent bist!

Da reden Leute bei einer Sache mit, von der sie keinen blassen Schimmer haben. "Ich hab da mal gehört..." - "Mir hat mal jemand gesagt..." - "Im Fernsehen sagen sie..." oder noch schlimmer: "In der Zeitung hat doch gestanden... " - und das bei der großen Zeitung mit den vier Buchstaben, die plakativ und demagogisch Menschen auf Sockel stellt und sie ebenso wieder fallen lässt.

 

Ja, ich gebe zu: Auch ich habe von vielen Dingen keine Ahnung, sammle mir mühsam mein Wissen zusammen. Und oft ist es so, dass ich schnell an Grenzen stoße, wenn mir z.B. jemand auf meinen BLOG antwortet, dass ich dies oder das außer Acht gelassen hätte. Peinlich - gewissermaßen, aber auch hilfreich - es weitet den Blick. Daher sage ich gleich vorweg: Das Ziel unseres Redens sollte nie sein, den Eindruck zu vermitteln, dass wir die einzig gültige und glücklich machende Wahrheit besitzen. Ob etwas "richtig" oder "falsch" ist, das mag uns die Geschichte irgendwann in der Retroperspektive dann sagen. Dumm nur, dass wir das nicht mehr mitbekommen.

Wie aber können wir "kompetent" kommunizieren?

  • Zunächst einmal: Wenn es meine persönliche Meinung ist, darf ich sie mitteilen, logisch (!), ich sollte mich dann aber nicht hinter einem "man" verstecken oder hinter der Generalisierung "Alle denken so." Nein, es sind in der Regel einzelne. Würden wir "alle" befragen wollen, hätten wir viel zu tun. Pauschalisierungen sind deshalb gefährlich.
  • Das Zweite, was mir in den Sinn kommt: Die Sprache sollte nicht aggressiv sein, d.h. ich darf nicht auf meinem Recht pochen und das Verständnis der Anderen vehement einfordern, quasi "Du musst das doch begreifen!" oder "Sieh es doch mal ein!" - funktioniert nicht, würde ich auch "dicht" machen und mich umdrehen.
  • Der dritte Gedanke meiner Überlegungen: Meine Ansichten sollten das Gegenüber mit einer Frage konfrontieren: "Was denkst du darüber?" oder "Woher weißt du das?" In der Antwort zeigt sich dann, wie kompetent jemand tatsächlich ist...

In der Antike (bei den alten Griechen) war die Rhetorik eine echte Kunst. Die Kunst der Rede. Man führte in ein Thema, einen Gedankengang in eine Diskussion ein, man brachte ein paar Beispiele (These / Antithese), oft auch erst einmal negative Beispiele - um dann mit einer positiven Lösung den Gipfel der Argumentation zu erreichen. Man schloss mit einem guten Gedanken ab. Wichtig war aber zu Beginn die "captatio benevolentiae" - also eine wohlwollende Einbindung des Gegenübers. Der Apostel Paulus, der diese Redekunst beherrschte, begrüßte die Menschen in Athen bei einem seiner Besuche in etwa so: "Ihr Athener, wie ich sehe seid ihr fromme Leute! Ich bin umher gegangen auf eurem Markt und habe viele Altäre für viele Götter gesehen. Sogar einen, auf dem stand: 'Dem unbekannten Gott'. Den verkünde ich euch heute." Dann holte er aus... puh... eine lange Rede. Manch einer - so sagt man, sei sogar aus dem Fenster gefallen, weil er einschlief...*1)

Nun denn, bevor du einschläft... Danke für's Lesen und für kritisch-konstruktive Rückmeldungen. Es waren einfach ein paar Gedanken, weil manche Diskussionen - gerade auch auf der "Gesichtsseite" (FB) nicht immer erbaulich sind...

1) zu finden in: Apostelgeschichte 20,7-12

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