Weihnachten daheim - Heiland!

Für manche ist es der blanke Horror! An Weihnachten daheim zu sein ... Bei diesem Gedanken fällt mir (als Saarländer) die TV-Folge von "Familie Heinz Becker" (mit Heinz Becker, Hilde und Stefan) ein. Thema: Die Christbaumspitze. Alles geht schief - inklusive dem schief stehenden Tannenbaum, der schließlich mitten ins Wohnzimmer kracht - wo doch die Christbaumspitze zuvor fehlte... Hätte man nur... Aber egal.

Als 18jähriger musste ich auch an Weihnachten mal "raus" aus dem familiär-traditionellen Getümmel. Ich nahm die Anfrage als "Moderator" eines "Heiligen Abends" bei den Obdachlosen von Saarbrücken an. Was für ein Stallgeruch! Puh... der Gestank der Klamotten, von Alkohol und Schweiß ... kurz - es kostete Überwindung, aber Hauptsache: Keine Christbaumspitzendiskussion! Die vielen lachenden Gesichter, die glücklichen "armen Tropfen", die wir an diesem Abend beköstigten, das war schon was! Der Ärger daheim im Vorfeld und danach war mindestens ebenso "intensiv" als Erfahrung.

 

In vielen Familien hängt an Weihnachten der Haussegen verdammt schief. Wie der Tannenbaum... Warum? Vielleicht, weil wir in das Fest der Liebe und des himmlischen Friedens doch eine zu große Menge an Erwartungen hineinlegen? Eine Freundin von mir erzählte mir vor wenigen Tagen: "Ich bin froh, wenn der Heilig Abend rum ist. Allein die Arbeit mit dem bescheuerten Menü! Was das Zeit kostet!" - Meine Frage (die ich nicht laut gestellt habe): WARUM MACHST DU DAS DANN?

"Weihnachten, Weihnachten, bin ich daheim..." - dieses Lied (gesungen von den Fischerchören) durfte ich an Heilig Abend JEDES Jahr hören. Natürlich NACH der Langspielplatte von Rudolf Schock, der unter Glockengeläut allen Zuhörern (das waren WIR daheim !) am Ende der zweiten Seite der Langspielplatte tenorig ein "frohes und gesegnetes Weihnachtsfest" wünschte. Dann gab es Geschenke und dann kamen die Fischerchöre. Das Lied beschreibt die Sehnsucht der Soldaten im Zweiten Weltkrieg, die eben NICHT an Weihnachten daheim waren. Umso größer die Sehnsucht.

 

Viele Menschen sind an Heilig Abend allein (daheim). In vielen Pfarreien gibt es den Heilig Abend für alte, einsame Menschen. Immer mehr Sozialhilfeempfänger nehmen dieses Angebot auch wahr. Manche  sind froh, wenn diese Tage vorbei sind. Die Einsamkeit, die Trauer, die Angst - ist am 24.12. am größten. Und am 31.12. übrigens auch. Deshalb gehen so viele alte Menschen um 20 Uhr ins Bett.

Aber auch  das Konfliktpotential ist latent (groß) an Heilig Abend. Es ist ja auch eine Realität: Das schweigsame Telefon des Sohnes, der sich eh seit Monaten nicht gemeldet hat... Die spitzen Bemerkungen des Ehemanns, die Hektik der alles (allein) organisierenden Hausfrau... Die erwachsenen Kinder, die keine Lust mehr auf Tannenbaum und "Stille Nacht" haben, sondern lieber Party feiern wollen... Die Enkelkinder, die man mit Geschenken überhäufen soll, damit sie für 5 Minuten glücklich sind... All das macht es nicht leicht, HEUTE Weihnachten feiern zu sollen...

Dazu kommt noch: Nur noch wenige scheinen zu wissen, warum wir eigentlich Weihnachten feiern. Um so schöner ist es zu hören und zu lesen, wenn Familien das Fest gemeinsam vorbereiten, die biblische Geschichte der Geburt Jesu noch eine Rolle spielt, und das Essen keine überdimensionalen Formen annimmt, sondern einfach die Gemeinschaft fördert (Hinweis: Bei uns gibt es Fondue oder Raclette). Geschenke - ach ja, die gibt es ja auch noch... Vielleicht doch etwas, womit ich den anderen überraschen kann, ohne dafür die nächste Bank überfallen zu müssen?

Heiland! Was ist da nur los... ? ... dass wir noch 2000 Jahre nach deiner Geburt nicht so recht wissen, wie wir deinen Geburtstag richtig feiern können?