Vom Umgang mit schwierigen Menschen

"Ich habe den Eindruck, der geht mir bewusst ständig hinterher." - "Die riecht so komisch, immer nach Schweiß. Mir wird ganz schlecht!" - "Diese SMS mit den Unterstellungen. Ich halte das nicht mehr länger aus!" - "Ständig kommen Vorwürfe, das ist so kränkend." - "Ich arbeite zu langsam. Die Kollegin mischt sich ständig in mein Leben ein!" usw...

 

Kennen Sie das ein oder andere? Solche Berichte sind beliebig erweiterbar! Es gibt Menschen, die sind uns nicht nur auf den ersten Blick unsympathisch und der Bauch schlägt Alarm, nein, sie sind uns auch auf den zweiten und dritten Blick unangenehm. Sie kontrollieren uns, stellen uns nach, hinterfragen uns, machen Vorwürfe, kritisieren und nörgeln an uns rum, kränken uns ganz bewusst, mischen sich in alles ein, kommentieren, was wir tun usw. Solche Menschen sind schwierig! Nein: Ihr Verhalten ist schwierig! Der Umgang mit ihnen macht es nicht leicht, sie irgendwie im Ansatz nur zu mögen.

 

Wie aber gehen wir mit ihnen um? Was können wir überhaupt tun?

 

1. Schritt:

Kennen Sie die "rote Linie", die es bei Banken, Sparkassen und bei der Post gibt? "Bleiben Sie hinter der Linie!" mahnt ein Schild. Welche Farbe sie hat, ist unwesentlich. Wichtig ist der Abstand. Diesen Abstand brauchen wir, wenn Menschen in meine Intimitäts-Umlaufbahn eintreten. Der ausgestreckte Arm, die offene Hand, signalisiert dann das STOPP - wie beim Fußball, wenn der Schiedsrichter die rote Karte zückt und sie direkt vor die Nase des Spielers hält. STOPP sagen, heißt sich abgrenzen, den Anderen und seine Botschaften zunächst einmal zurückweisen.

 

2. Schritt:

Danach müssen wir unterscheiden zwischen der Person und ihrem Verhalten. Nicht die Person an sich ist "böse", sondern ihr Verhalten ist unangemessen, störend, bedrängend. "Du bist ein böses Kind!" - das ist ein vernichtendes Urteil. Anders: "Du hast deiner Schwester die Puppe kaputt gemacht. Das ist sehr schlimm! Ich bin enttäuscht von dir. Du siehst, wie traurig sie jetzt ist. Du wirst deiner Schwester eine neue Puppe kaufen!" - Ein solches Beispiel würden wir als "gewaltfreie Kommunikation" (nach Marshall B. Rosenberg) bezeichnen. Es beginnt also in der Art und Weise, wie wir mit Menschen sprechen, wenn sie uns "zu nahe" kommen.

 

3. Schritt:

Wenn diese Menschen bereit sind, über ihr Verhalten und ihre Aussagen und die Auswirkungen, die das alles auf mich hat, mit mir zu sprechen, dann kann ein konstruktiver Austausch die Folge sein. Der ein oder andere mag dann erstaunt sein und sich sagen: "Das hab ich so gar nicht gewollt!" oder "Tut mir leid, ich hab da wohl eine Grenze überschritten!" - Auf diese Weise können wir gemeinsame Vereinbarungen für die Zukunft treffen. Ich kann meine Wünsche und Erwartungen äußern, wie wir einander künftig begegnen.

 

4. Schritt:

Sie werden jetzt sagen: Manche Menschen sind aber unverbesserlich! Sie machen weiter... verstärken ihr Verhalten noch. Es wird schlimmer. Da hilft dann nur eines: Emotionale und physische Distanz. Manchmal ist es einfach notwendig, dem anderen zu signalisieren: "Hier ist die Grenze. Du hast sie mehrfach überschritten. Ab jetzt lasse ich das nicht mehr zu. Ich möchte, dass wir unseren Kontakt auf ein Minimum begrenzen." In einer Firma, wo die Kollegin ständig Dinge kommentiert oder ein Kollege übergriffig wird, da ist es dann entscheidend, dass ich für Abstand sorge. Unter Umständen auch unter Heranziehung der Vorgesetzten.

 

Letztlich aber gilt auch das: Jemand anderes hat immer nur so viel Macht, wie wir ihm geben. Es liegt also auch an uns, wie widerstandsfähig (resilient) wir sind. Nicht jeder kann das kränkende Verhalten anderer einfach so an sich abperlen lassen. Manches trifft uns halt doch. Daher tut emotionale und physische Distanz einfach gut.