Nett sein - das Gegenteil von "gut" ?

So richtig nett...
ist's nur im Bett.
So lautete der Schlagertitel von Peter Alexander, den er 1979 in der TV-Abendsendung "Musik ist Trumpf" sang. Inhaltlich... fürwahr kein großer Texterguss, aber eine Lebens-Wirklichkeit, die das Publikum damals mit kräftigem Applaus belohnte.
Heute - am 13. November - soll es auch richtig "nett" zugehen: Wir haben / feiern den Weltnettigkeitstag 2019 (World Kindness Day). Einst von der japanischen Nettigkeitsbewegung 1998 in Tokyo in Gang gesetzt, wird er "alle Jahre wieder" wie Weihnachten und Ostern begangen.
Parallel dazu ist der 13. November auch der Tag, an dem 1997 das "Small Kindness Movement" entstand. Diese "wir sind alle mal nett"-Bewegung möchte erreichen, dass die Menschen freundlicher im Umgang miteinander sind und somit auch eine freundlichere Welt entsteht. Also haben wir heute, am Welt-Nettigkeitstag, die Pflicht, einfach nett zu sein - und zwar ausnahmslos immer und zu allen. Nix mit Stinkefinger oder Vogelzeichen, dummen Sprüchen oder Türzuknallen. Ein freundliches Winken und ein herzhaftes Lächeln. Obgleich ich gestehen muss, dass jemand, der mir sagt, "das war sehr nett von Ihnen!" eher mit einem milden Lächeln bedacht wird. Denn "nett" sein kann ja manchmal das Gegenteil von "gut" sein...

Wer also morgens als Erster im Büro ist, den Kollegen den Kaffee kocht und oder im Lehrerzimmer einen vier Tage alten Kuchen deponiert - der ist richtig nett (oder der Depp vom Dienst). Gerade Lehrer stürzen sich in den Pausen auf alles Essbare und damit bist du als freundlicher Geber immer absolut "nett" (ich hab das erlebt, ich berichte aus eigener Erfahrung!)
Vielleicht kehrt man zur Abwechslung beim Schneekehren in Österreich seinen Schnee mal zu dem Nachbarn, der bisher nicht davon profitierte. Ist doch nett... oder? Die eigenen Kinder können eventuell etwas länger wach bleiben, damit die Familie "nett" beisammen sitzen kann - um sich über den Besitz der TV-Fernbedienung zu streiten. Auch ganz nett. Der Hund darf mal alleine Gassi gehen und ohen Leine - auch das findet der bestimmt total nett (mein Leo macht das öfter ungefragt. Finde ich nicht nett!) Finanzielle Spenden (ich gebe gerne meine Kontodaten durch) sind auch stets eine Option für den Welt-Nettigkeitstag.
Doch jetzt mal ernsthaft: Nettsein ist doch mehr als das oberflächliche freundliche Lächeln und das widerspruchslose Bejahen all dessen, was mir andere dir um die Ohren haut. Nettsein ist - wenn wir es wirklich ernst meinen - eine Grundhaltung in der Begegnung zwischen Menschen. Es ist eine Kommunikations-Grundhaltung. Die einen würden jetzt sagen, es geht dabei vor allem um eine gewaltlose Sprache, andere um das Vermeiden von Botschaften zwischen den Zeilen. Beide haben Recht. Man kann ja nicht nicht kommunizieren und von daher kann ich vieles sagen, aber ganz anders meinen. Sage ich nach einem schönen Abend oder einem Chorkonzert als Kommentar: "Es war ganz nett!" - dann wissen alle, dass ich zwar freundliche Worte benutzt, aber das Gegenteil gemeint habe. Ich war lediglich höflich. Allerdings kann ich jemanden auch auf nette Weise eine Abfuhr erteilen oder sogar zwei Tage vor Weihnachten kündigen... Nett.
Das altfranzösische Wort "net" bedeutet rein, sauber, lauter, rechtschaffen; es stammt vom latenischen Wort "nitidus" (glänzend, hell, ungetrübt) ab. Wenn wir also nett sind, dann sollte unsere Gesinnung glänzend und strahlend, sauber sein. Ohne Hintergedanken und ohne Zwischentöne. In diesem Sinne wünsche ich dir einen netten Novembertag! Und heute Abend heißt es dann wieder: So richtig nett, ist's nur im Bett! ;-)