Wenn alles nur noch dunkel ist...

Die dunkle Jahreszeit hat begonnen. Es wird früher dunkel, und es bleibt länger dunkel. Für manche Menschen ist das eine der schlimmsten Zeiten im Jahr. Im Volksmund spricht man von der "Winterdepression".

 

Doch wir sollten nicht zu flott mit den Diagnosen sein, was eine Depression ist!

 

 

 

Manchmal ist man einfach nur niedergeschlagen, matt, melancholisch, nachdenklich, traurig, etwas pessimistisch oder enttäuscht. Das kennt jede und jeder von uns.

 

Ab wann aber sprechen wir wirklich von einer Depression? Anders: Welche Zeichen deuten darauf hin? Erstes Indiz ist die Dauer dieses "Gemütszustandes". Wenn es dir schon länger als zwei Wochen so geht, dann ist es tatsächlich gut, mit jemandem im Bereich der Medizin oder Psychotherapie darüber zu sprechen. Aber es gibt weitere Kritierien, die ausschlaggebend sind, der Vermutung nachzugehen, jemand leidet unter einer Depression. Denn eine Depression ist eine psychische Erkrankung und bedarf der medizinischen und psychotherapeutischen Hilfe.

 

Man unterscheidet Haupt- und Nebensymptome.

 

Zwei von den drei folgenden Hauptsymptomen müssen vorliegen: (1) Wenn du das Gefühl hast, grundsätzlich die Freude und das Interesse an allem zu verlieren, (2) deine Stimmung permanent niedergedrückt ist und du (3) irgendwie nicht in die Gänge kommst, null Motivation hast, irgendwas anzupacken - dann solltest du sehr achtsam sein.

 

Darüberhinaus braucht es aber zur Diagnostik zwei weitere Symptome aus dem Bereich der Nebensymptomen: (1) Dein Selbstwertgefühl bzw. dein Selbstvertrauen steht auf wacklicken Beinen, (2) du hast das Gefühl, dass die Zukunft nur noch schwarz ist, sich keine Perspektiven auftun, (3) du verspürst keinen oder nur wenig Hunger, (4) du hast Schuldgefühle ("Ich bin an allem Schuld!") und fühlst dich wertlos, (5) du kannst weder gut einschlafen noch durchschlafen und ... (6) du denkst immer wieder daran, deinem Leben ein Ende zu bereiten... (diesen Gedanken hat fast jeder Mensch irgendwann einmal, aber als Dauerschleife ... ist es sehr ernst zu nehmen!)

Wenn also mindestens vier Symptome (2:2) zutreffen, dann bitte: Suche einen Arzt oder Psychologen auf! Eine Psychotherapie und Medikamente können dir helfen, die Depression in den Griff zu bekommen, u.U. ist es ja auch nur eine "Episode", also vorübergehend wie eine "Winterdepression".

 

Was kann eigentlich helfen? Abgesehen von Psychopharmaka ist eine der neueren Methoden eine sog. "Lichttherapie". Wie funktioniert diese? Patienten setzen sich täglich für 30 bis 40 Minuten vor eine starke Lichtquelle ("Taglicht"), also zwischen 2.500 - 10.000 Lux. Solche speziellen Lampen gibt es übrigens auch so zu kaufen! Bis zu einer Woche kann die Behandlung dauern. Untersuchungen haben gezeigt, dass es 60% der Patienten bei jahreszeitlich bedingten Depressionen deutlich besser geht! Die Lichttherapie wirkt über das Auge. Das helle, weiße Licht löst über den Sehnerv eine Ausschüttung von Botenstoffen im Gehirn aus und führt damit zu einer Aufhellung deiner Stimmung.

Neben der Wachtherapie ("Therapeutischer Schlafentzug") und der Elektrokrampftherapie (EKT) ist auch der Sport eine gute Form, der depressiven Stimmung den Kampf anzusagen. Ein sog. "Rehabilitationssport" (oft stationär in Kliniken) bietet Betroffenen die Möglichkeit, ihre körperliche Motorik unter speziell ausgebildeter Übungsanleitung  zu verbessern. Darüber hinaus darf im Falle einer Depression keine therapeutische Arbeit erfolgen, die quasi in der Vergangenheit "stöbert" oder frühkindliche Erinnerungen weckt. Es geht verhaltenstherapeutisch immer um stabilisierende Hilfsmittel (Tagesstruktrur, Anleitungen zu bestimmten Tätigkeiten etc.) oder gestalttherapeutisch um das Wecken von Kreativität (Freude durch die Schaffenskraft). Musik, Tanz, Kunst - all das ist konstruktiv und reißt aus dem Grundgefühl der Lethargie heraus. (c) RMM 2019