Komplexes Leben

Haben Sie auch manchmal "Komplexe"? Normalerweise sprechen wir von "komplexen" Systemen oder Aufgabestellungen. Aber das Leben kann auch komplex sein. Da hat jemand Minderwertigkeitskomplexe, einen Größenwahnkomplex (Hybris oder Gigantomanie wie Hitler), Vater- oder Mutterkomplex, einen Geschwisterkomplex, einen Adonis- oder Don-Juan-Komplex, Elektrakomplex oder Napoleonkomplex... am bekanntesten ist sicherlich der sog. "Ödipuskomplex", obwohl die wenigsten genau erklären können, WAS das ist. Sehr stark beeinflussen uns aber die ICH-Komplexe und die archetypischen Komplexe, wie sie C.G. Jung herausfand. Auf alle einzelnen hier einzugehen würde den Rahmen eines BLOG's sprengen. Daher bleiben wir mal bei dem, was wir im Alltag so erleben und was uns zuweilen das Leben komplex sein lässt.

 

Was ist eigentlich ein Komplex? Das lateinische Wort "complexus" meint, dass etwas zusammengebunden oder umschlossen ist, eine Art Verknüpfung oder Zusammenfassung. An sich erstmal nichts Negatives. Wenn auf diese Weise Systeme / Dinge überschaubar werden, dann helfen uns "Komplexe". Aber... der Teufel steckt ja bekanntlich im Detail. Psychologisch betrachtet ist ein Komplex eine Einheit von inneren Bildern, Phantasien, Gefühlen und Gedanken. Das alles aber nicht in einem überschaubaren Sinn und leicht zugänglich, sondern wie eine unaufgeräumte Dose mit Schrauben. Nicht, dass Sie jetzt denken: Ahja, wer Komplexe hat, bei dem sitzen "Schrauben" locker. Einem Komplex zu unterliegen (in der Regel will man das ja gar nicht), bedeutet viel mehr: Ich bin hilflos und ohnmächtig, finde keine Lösung oder Handhabe, damit gescheit umzugehen.

 

Nehmen wir als gutes Beispiel den Minderwertigkeitskomplex. Im Grunde ist dieser ein Mangel an Selbstbewusstsein (Ich-Stärke). Vom äußeren Auftreten (gebeugte Körperhaltung), über verhaltene Mimik und Gestik, mangelnde Kommunikationsfähigkeit und manchmal eben auch fehlendes Wissen und eine gewisse emotionale Einschränkung, vermag der Mi-Kox (wie ich ihn zu nennen pflege) uns ganz schön im Griff zu haben. "Die anderen sind viel XXX als ich" - setzen Sie für XXX ein, was Sie wollen: klüger, besser, schneller, schöner, größer, dünner, unterhaltsamer, reicher, erfolgreicher ... usw.) Beim Minderwertigkeitskomplex vergleiche ich mich immer mit anderen und komme dabei einfach schlecht weg. Was kann ich dagegen tun? Ein mühsamer, aber lohnenswerter Weg, das eigene ICH zu entdecken mit den Begabungen, Talenten, Eigenschaften und Fähigkeiten, dem eigenen Fingerabdruck quasi. Vor allem aber besteht die Arbeit an sich selbst darin, sich zu lieben - wie man ist. Fällt nicht immer ganz leicht. Selbst schöne Frauen, z.B. Models, die eine mega geniale Figur haben oder erfolgreiche Managertypen im Maßanzug kennen immer noch jemanden, der einen Tick besser ist. Aber nur "scheinbar".

 

Eines wissen wir seit C.G. Jung und seiner therapeutischen Arbeit mit Menschen: Komplexe aus der Kindheit verfolgen uns oft ein Leben lang. Und: Sie machen uns das Leben zuweilen verdammt schwer! Warum? Weil sie uns immer vorgaukeln, dass "etwas" nicht stimmt, nicht gut genug ist, dass wir einem Ideal nicht entsprechen. Wir setzen uns damit einem massiven inneren Druck aus und leiden darunter. Oder neigen dazu, andere entsprechend zu verabscheuen, abzulehnen, wenn man - wie z.B. im Elektrakomplex - als junge Frau sich zu sehr an den Vater bindet und die Mutter am liebsten umbringen würde (das Pendant zum Ödipus). Oder wenn man seine kleine Körpergröße ständig damit kompensieren möchte, dass man "Großes" erschafft, so z.B. Kriege gewinnt ("Napoleon-Komplex") oder wirtschaftlich erfolgreich ist oder ... oder ... oder

Komplexe sind also unsere eigenen Vorstellungen von etwas oder jemandem oder einer Situation - ohne sie wirklich mit der Realität abzugleichen. Wir haben sie nicht nötig, aber sie manipulieren uns und machen zuweilen krank. Du hast so was bei dir entdeckt? Na dann... Lass dir helfen und gönn dir professionelle Hilfe.