Mit rasanter Geschwindigkeit - RUHE !

Irgendwie ist sie zu bewundern. Diese kleine Schnecke. Sie krabbelt seit heute morgen an unserer Garagenwand hinauf. Vermutlich hat sie gestern damit begonnen, denn sie war heute schon über meinen Kopf hinausgekrochen.

Auf halber Strecke ist sie einer Spinne begegnet. Auch diesen Moment habe ich fotographisch festgehalten. Eine kleine Schnecke und eine Spinne - die nur sieben Füße hat. Für beide geht das Leben nur mit Einschränkung.

Auch unser Leben ist oft mit Beschränkungen und Einschränkungen verbunden. Wir sind nie perfekt. Manche Erfahrungen brauchen Zeit. Natürlich hätten wir gerne JETZT eine Antwort, JETZT eine Lösung, JETZT einen Ausweg.

 

Das kenne ich. Das ist manchmal wie beim Warten auf die Geschenke an Weihnachten, als wir Kinder waren. Kaum waren die Geschenke da und ausgepackt, da hatte der Moment seinen gewissen Zauber verloren. Es war nicht mehr so "magisch", das Warten. Irgendwas war weg... Das JETZT sofort ist eben auch nicht immer schön. Vielmehr ernüchternd.

 

Und dennoch: Die Schnecke bewegt sich mit rasanter Geschwindigkeit einem Abgrund entgegen. So habe ich mal ein Bild mit einer Schnecke kommentiert, die auf einem recht spitzen, eckigen Stein nur noch mit einem Drittel ihres Körpers aufsaß. Den Oberkörper mitsamt Fühlern streckte sie in den luftleeren Raum. Ich kenne das Gefühl auf meine Weise: Die rasante Geschwindigkeit, dieser Rausch ... aber der Abgrund ist eben auch da. Bedrohlich.

Wir wissen eigentlich nur allzugut, dass viele Entwicklungen ihre Zeit brauchen. Je schneller wir die kleinen Pflänzchen aus der Erde zuppeln, umso mehr verlieren sie den Halt mit den Wurzeln. Am Ende vertrocknen sie. Klar, das Wachsen und Reifen ist mit Geduld verbunden. Das wissen wir ja. Aber die Erfahrungen, die wir sammeln... Die Schnecke kriecht Millimeter für Millimeter. Die Spinne sitzt stundenlang an der gleichen Stelle, unbeweglich, verharrend. Wahnsinn. Das nenne ich Achtsamkeitsübung und Ausdauer.

 

Wir können von den beiden lernen. Von der Spinne, die mit einem Bein weniger und ihrer unglaublichen Ruhe im Warten dem Kommendem entgegensieht. Und von der Schnecke, die sich langsam vorwärts bewegt, über Unebenheiten sich die Bahn sucht.

 

Für mich heißt es erstmal: Tief durchatmen. Den "längeren Atem" haben... Und... Gelassenheit in dem, was ich nicht ändern kann; umso mehr Mut, dort, wo ich etwas ändern kann! Was wir davon haben? Manchmal lehrt uns die Zeit, was gut ist. Mein Freund sagt ab und an: "Wer weiß, wofür es gut ist..." Ich glaube, er hat Recht. Es ist schon so vieles im Leben geschehen, und ich habe den Eindruck: Erst jetzt erkenne ich, wozu es wirklich gut ist!