Um-Zug bedeutet Um-Stellung

So ein Umzug in eine neue Stadt ist auch eine Umstellung. Anders als die Zeitumstellung, die uns immer im Frühjahr und Herbst heimsucht. Auch kein Umstellen im Sinne von Möbelrücken, weil es doch nicht passt… Es ist die Seele, die sich schwer tut mit der neuen Situation. Ein „Fremder im eigenen Haus“ - so fühlte sich mein Freund, als ich jetzt bei ihm in sein Haus einzog. Die vielen Kisten, die Möbel, das meiste hatten wir doppelt - und was hatten wir nicht alles aussortiert, verschenkt oder verkauft… Am Abend waren wir „geschafft“. Und ich? Ich kam mir vor wie ein Eindringling, obwohl ich doch die letzten Monate fast ganz bei ihm wohnte. Ich habe nachgerechnet: Mit diesem Umzug nach Bayern bin ich in meinem Leben schon 14mal umgezogen. Ein Wahnsinn! Beim allerersten Mal reichte ein kleiner VW-Bus, mit dem ich von Saarbrücken nach Mainz zum Studium wechselte. 30 Jahre später: Von Graz nach Thüringen - ein LKW plus Anhänger… Letztlich hab ich mich gefragt: Braucht man das eigentlich wirklich alles, den ganzen Kram und Krusch?

Bei allem war eines immer wichtig: Ich habe immer für den „äußeren“ Umzug zuerst gesorgt…
Aber die Seele musste immer ja auch „hinterher“ kommen. Manchmal weiß man, dass dieser oder jener Umzug eh nicht für die Ewigkeit ist. Scherzhaft sage ich dann: Beim letzten Umzug lasse ich mich tragen, in der Kiste. Aber vermutlich wird es eh nur eine Urne - man wird ja bescheidener. Im Alter und am Ende braucht man nicht mehr so viel.
Nein, jeder Ortswechsel ist eine Umstellung. Warum? Weil wir innerlich „umstellen“, aufräumen und loslassen müssen. Gar nicht so leicht. Ich erinnere mich noch, wie mir Angehörige von Verstorbenen davon erzählten, wie lange sie brauchten, die Zimmer und Schränke auszuräumen. Ein Umzug ist immer auch ein kleiner Tod, mitten im Leben. Die Seele braucht Zeit. Sie muss sich umstellen. Auf die „jetzt-ist-alles-anders“-Zeit.