Hat der Tod so viel Macht?

Für die einen eröffnet sich nach dem Tod ein Paradies, manche hoffen auf eine Auferstehung, viele wollen einfach noch eine zweite Chance und spekulieren auf die Wiedergeburt, wieder andere werden "eins" mit der Energie des Universums; manche lassen sich Denkmäler bauen - von Triumpfbögen bis zu Pyramiden - und dann sind da noch welche, für die geht einfach wie im Schlafzimmer vorm Schlafengehen das Licht aus, und dann ist einfach "nischd".

Und du? Was kommt für dich "danach"? Gibt es überhaupt etwas nach dem Tod? - Ich kann es nicht sagen. Ganz ehrlich. Ich bin gläubiger Christ, habe meine Grundhoffnung auf ein Leben, das sich bei Gott erfüllt, aber letztlich muss ich mir eingestehen: Ich habe in Wirklichkeit keinen blassen Schimmer von dem, was uns da tatsächlich erwartet. Aber eines habe ich nicht: Angst vor dem Tod!
Angst vor dem Sterben - ja, die gibt es in mir. Das Dahinsiechen, das Leiden, das ohnmächtige Nichtstunkönnen, die Qualen des Schmerzes. Gott sei Dank ist die Medizin in der Lage, wenigstens diese Qualen zu reduzieren. Und der Gedanke, allein und vergessen irgendwo zu sterben, betrübt mich.

 

Was aber, wenn du ohnehin schon tief in der Trauer bist über einen geliebten Menschen und siehst plötzlich für dich keinen Sinn mehr im Leben? Was, wenn dir erst jemand genommen wurde, und es plötzlich um dich herum immer einsamer wird? Was, wenn du keinen Ausweg mehr siehst und am liebsten selbst auch einen Schlussstrich ziehen möchtest? - Viele Menschen hatten schon einmal diesen Gedanken. Aber ist das die Lösung? Dem Tod so viel Macht geben?


In jedem Fall ist es gut, wenn du darüber reden kannst. Mag auch in deinem Freundeskreis oder in deiner Familie niemand sein,  es gibt psychosoziale Beratungsstellen, die Telefonseelsorge, Notdienste, Ärzte, Seelsorger, Therapeuten, Heilpraktiker - irgendwo ist immer ein offenes Ohr!
Doch da ist noch etwas anderes. Viktor Frankl, der Gründer der Logotherapie, sagte einmal: "Wenn du auch vom Leben nichts mehr erwartest, so erwartet dennoch das Leben etwas von dir!" Es ist irgendwie "billig", einfach alles hinzuwerfen, sich aus dem Staub zu machen, alles aufzugeben und zurückzulassen. Die Herausforderung liegt in der Suche nach Antworten auf die Fragen, die das Leben mir zumutet! Ich rede jetzt nicht von Menschen, die depressiv sind und entsprechend in psychotherapeutischer oder psychiatrischer Behandlung sind. Für die ist es eine noch viel größere Herausforderung!

Mag der Gedanke auch Kraft kosten, so findet sich in einer entsprechenden Begleitung in der Regel immer der tiefere Grund, warum gerade jetzt alles so aussichtslos ist, und gleichzeitig findet sich auch immer ein Ansatz, wie man neue Perspektiven gewinnen kann! In einem Gespräch sagte vor kurzem erst eine Frau: "Allein der Gedanke, in einer psychiatrischen Klinik eingeliefert zu sein, hat mich wieder mobiliisiert. Ich spürte förmlich, wie ich aufgeweckt wurde!"