Nur aus Mitleid?

Mitleid oder Mitgefühl - wo ist da schon der Unterschied?

Wenn wir Menschen begegnen, dann nehmen wir durch deren Erzählungen eine ganze Reihe an Informationen auf. „Na, wie ist die Lage?“ oder „Wie gehts dir?“ sind oft Einstiegsfenster in ein Gespräch. Auch, wenn es oft nur floskelhaft wird und in einer Art Wetterjammer endet - wir signalisieren Interesse.
Ist die Frage nach dem Wohlbefinden aber ernst gemeint, wie dies ja auch in therapeutischen Begegnungen Grundvoraussetzung ist, dann stehen wir vor einer Herausforderung. Wir können „einfühlend“ (empathisch) reagieren und damit unser Mitgefühl zum Ausdruck bringen. „Das ist sicher ganz schwer für dich zum Aushalten?“, fragen wir zurück und geben dem Anderen die Chance, erneut von sich zu erzählen. „Ach, du armes Kindchen, du kannst einem ja echt leid tun? Wie kann dein Mann dir so was antun?“ - Auch eine Variante. Aber eher bemitleidend. Fast schon etwas von „oben“ herab. Gleichzeitig drückt die Sprecherin jedes Gefühl zur Seite, beschwichtigt, will eigentlich mit der Sache nichts zu tun haben.
Echte Kommunikation findet auf Augenhöhe statt, in der Therapie wie im wirklichen Leben. Dazu müssen wir als Erwachsene nicht mal in die Hocke gehen, wenn wir mit Kindern reden. Aber wir könnten uns mit dem Kind hinsetzen, auf eine Bank, auf zwei Stühle. Genauso, wie wir das als Erwachsene untereinander machen: „Nehmen wir doch für einen Moment Platz!“ Die ernst gemeinte Einladung ist die Eröffnung für echtes Zuhören, wirkliches Interesse und nicht etwa für ein Gespräch „zwischen Tür und Angel“. Oder gar über das Wetter.
Und das Ziel eines solchen Gespräches? Dem Anderen das Gefühl geben, dass wir ihm zuhören, seine feinen Zwischentöne wahrnehmen und ihm authentisch antworten. Denn: Zwischen Mitgefühl und Mitleid ist ein großer Unterschied. Mitgefühl kann die Situation eines Anderen verändern helfen. Mitleid verstärkt seine Trauer, seine Enttäuschung in der Regel nur.