Verdammt noch mal! - Ich bin gelassen!

Ich vermute ja ganz stark, dass die Hitze auch noch ihren Teil dazu tut. Auf den Straßen geht alles entweder verlangsamt zu ("Senioren-Schnecken-Tempo"), weil die Reaktionszeiten länger sind... Oder hektischer, weil die "jungen Leute" von der Hitze einfach langsam die ersten Auswirkungen in den Gehirnwindungen spüren. Fast wäre ich heute einem drauf gefahren. Der hatte für einen Radfahrer abgebremst. Der Radfahrer wollte wohl bei "halb dunkelrot" noch über die Straße huschen. Ich erntete wildes Händefuchteln vom Vordermann in dessen Rückspiegel, und selbst spürte ich, dass ein Container-LKW, ein Johanniter-Rettungswagen als Behindertentransport und ein älterer Herr mit Hut (ja, es gibt sie wirklich!) im dicken alten Benz mich fast zur Verzweiflung trieben. Da dachte ich mir: Das angekündigte Thema ist mal wieder "meins" - "Verdammt noch mal! Ich bin gelassen!"

 

Nein, bin ich eben nicht. Also: ich bin nicht immer gelassen. Mein Lieblingsgebet hieß früher scherzhaft: "Herr, gib mir Geduld! ABER SOFORT." Kennen wohl manche. Nicht umsonst sagen wir - bei der Hitze -, dass jemand "hitzig" ist. Die Hitze steigt uns in den Kopf. Naja, nicht nur die Hitze. Was ist das eigentlich für ein Gefühl, dieses cholerisch-aufbrausende, hysterisch-aggressive Gefühl?

 

In der Regel haben wir verschiedene Verhaltensmuster parat, wie wir mit Situationen umgehen können. Manche reagieren gerade in Stresssituationen ausgesprochen ruhig, nüchtern, sachlich, andere beruhigend, klärend. Wieder andere verfallen in Panik, Stress, brüllen rum. Von Steve Jobs zum Beispiel, dem Gründer von APPLE, wird in der Biographie berichtet, dass er regelmäßig Wutanfälle bekam und in Sitzungen auf dem Boden rumstampfte, schrie und ... wegrannte.

Wie reagierst du?

Solche cholerisch-aggressiven Reaktionen haben wir zum Teil mit in die Wiege gelegt bekommen (genetische Disposition). "Er ist genau wie sein Vater, der hat auch immer so rumgebrüllt, schon als Kind!" Oder  wir haben sie uns "antraniert" als kopiertes Sozialverhalten, in der Hoffnung damit erfolgreich sein zu können ("Sozialisierung").


Doch was ist die Absicht "hinter" der Wut, der Ungeduld? Im Grunde geht es oft um Rechthaberei, Macht und das Gefühl, sich durchsetzen zu wollen (zu müssen?). Sprüche wie "In der Ruhe liegt die Kraft", "Der Klügere gibt nach!", "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold" oder gar "Erstmal tief durchatmen, dann Reden" - nützen gar nichts. Sie machen diesen Menschentypen nur "anfälliger" und aggressiver.

Natürlich schimpfe ich auch schon mal - wie viele andere - während der Autofahrt. Aber warum soll ich über den Fahrer vor mir schimpfen - wenn ich zu spät aus dem Haus gehe? Hätte ja auch früher losfahren können. Natürlich ist es unangenehm, wenn sich einer auf den Parkplatz vorm Supermarkt auf zwei Plätze schräg stellt, und ich dann in der prallen Sonne parken muss. Aber ändere ich denjenigen, indem ich ihn anschreie? Nö. Du bekommst höchstens noch eine Antwort unter der Gürtellinie. Die bekam ich aber auch heute Morgen OHNE Anschreien. "Wäre schön gewesen, Sie hätten so geparkt, dass noch jemand neben Ihnen Platz hat." - Antwort... Das Wort mit ..loch am Ende. Tja.

Was hilft dir, damit du "runterkommst"?

Manche Leute zählen von 1 bis 10. Andere drehen sich um und gehen weg. Wieder andere setzen sich die Kopfhörer auf und schalten ab. Während der Autofahrt höre ich Musik. Das lässt mich wieder "runterkommen". Aber mir hilft vor allem, dass ich während ich so aggressiv werde, die Frage stelle: Was ist gerade mit dir los? Was kriegt der ANDERE jetzt ab, was mit MIR zu tun hat? Es ist eben tatsächlich so, dass die Störfaktoren, die wir beim Anderen sehen mit unseren eigenen Schwachstellen oft gekoppelt sind. Deshalb erkennen wir es ja auch so flott - und regen uns auf.

Diese innere Unruhe zeigt auch, dass wir nicht im seelischen Gleichgewicht sind. "Du bist so unausgeglichen, so unruhig!" - hören wir dann vielleicht. Was dagegen tun? Mir hilft eine Runde mit dem Hund, einfach mal raus, ein Stück GEHEN. Dabei dann Luft ("Heißer Dampf") ablassen. Aber nicht einfach weggehen, ohne dem Partner oder der Partnerin zu sagen, dass man jetzt eine Auszeit braucht.

Was sind deine Erfahrungen? Ich bin gespannt!

Ach ja... und weil es gut ist, mal zur Ruhe zu kommen, macht der Mittwochsblog bis Ende August jetzt FERIEN! Juhuuu!