Hotels für die ganz Kleinen

Sie surren in unserem Wohnzimmer herum, aber liegen am nächsten Tag dennoch tot in der Ecke. Eintagsfliegen eben. Andere surren in der Natur, stechen und befruchten wie die Wilden... Sie nerven uns abends beim gemütlichen Beisammensein und manch eine steuert lichtgierig auf die Deckenfluter zu ... Schicksal. Sssssss, bbbbbbrrrrrt. Ein Leben ausgelöscht.

 

Dennoch. Heute ist "Tag der Umwelt" - also Tag der Natur, der Schöpfung, der Tiere, der ganzen Wimmelei und Krabbelei. Käfer, Fliegen, Maden, Würmer, Mücken, Spinnen - sogar die.. Naja, lassen wir sie leben. Am 5. Juni 1972 nahmen die Vereinten Nationen all diese kleinen Krabbelgeister unter ihre besonderen Fittiche ... 1976 machte Deutschland es den Großen nach. Unser besonderes Augenmerk (aber die haben schon einen eigenen Tag: 20. Mai) haben immer mehr die Bienen. Weltbienentag. Die Wespen kommen nicht so gut weg, kein Wunder. Die nerven ja auch mit ihrem hektischen Geflatter. Auf Kuchen und Eisbechern können sie mich wahnsinnig machen. Mein Rekord: 13 Wespen vor Jahren in einem Bierglas in einem Restaurant. Dabei hatte ich sie noch gewarnt... Flieg nicht rein... Zu spät...

Aber... jetzt mal ernsthaft: Alle zusammen bilden das Ökosystem. Für die ganz Kleinen gibt es tolle Wohnblocks, Siedlungen und sogar "Hotels" - Insektenhotels. Wahnsinn! Doch der "Tag der Umwelt" geht ja weit über das Beschützen der Ameisen, Erdkröten und Regenwürmer hinaus. Dürfen Angler eigentlich noch Fliegen für den Fischfang opfern? Das fragt man sich dann schon... Scherz beiseite. Wir brauchen diese Krabbel- und Fliegenviecher. Sie zersetzen alles. Sogar den Kot meines Hundes. Neulich sah ich auf dem Friedhof einen Ameisenhaufen. Und was transportieren diese kleinen Umzugsunternehmer? Eine ganze Schnecke nebst Haus. Unglaublich! Ehrlich gesagt: Mir tat die Schnecke leid. Bei Nacktschnecken bin ich da nicht so traurig.

Vorsicht aber am Weg! Wie flott ist so ein Maikäfer (gibt es die noch?) - ach nein, ein Mistkäfer war es... zertreten. Gewiss nicht im Sinne des Buddhismus mit der permanenten Angst, einen Verwandten totzutreten, wenn wir zufällig eine Ameise mit unserem zarten Gewicht erdrücken... Aber Blumenwiesen für Bienen und andere stehen zu lassen, statt "englische Gärten" mit 3 cm Rasen zu pflegen, ja, das hat was! Und ich mag das meditative Surren der Bienen. Und ich lasse auch gerne mal eine Spinne ab 1,80 m Zimmerhöhe ihr Dasein fristen. Je dicker sie aber ist, umso mehr entsteht in mir das Verlangen, sie mit franziskanischer Freundlichkeit vor die Tür zu setzen.

Immerhin: Weltweit beteiligen sich rund 150 Staaten an diesem "World Environment Day", der das Bewusstsein dafür stärken soll, dass es vor allem der Mensch selbst ist, der die Vielfalt und Stabilität der Umwelt bedroht. Der diesjährige "Tag der Umwelt" steht unter dem Motto "Insekten schützen – Vielfalt bewahren!" Aber eine Frage: Muss ich die Blattläuse, die mir die Blumen und Kräuter kaputt machen wirklich leben lassen? Mhm... Ein Biest allerdings hat bei mir wirklich keine Chance, und ich glaube auch, dieses Vieh hat sich von einem anderen Planeten bei uns eingeschlichen: Zecken. Nicht zu verwechseln mit Zicken. Oder Zicklein.
Schlussgedanke: Was ist eigentlich mit den Heuschrecken, zart gebraten und mit Schokosauce übergossen? Sollten wir da nicht endlich mal vor französischen Restaurants gegen die "nouvelle cuisine francaise" demonstrieren?