Miteinander aneinander vorbeireden

Da geht der Chat schon ewig lang hin und her, bis endlich der Satz kommt: "Ach ja, jetzt (!) hab ich dich verstanden!" - Immerhin, die Sache ging gut aus. Über eine Entfernung von mehreren hunderten Kilometern miteinander zu kommunizieren, die Kollegin dabei nicht anschauen können und sich dennoch verständlich ausdrücken - das ist eine gewaltige Herausforderung! Da werden Begriffe unterschiedlich gebraucht, die Vorstellungen von Präsentationen sind verschieden, in den Köpfen schwirren diverse Projekte umher und lenken ab... So geht es uns manchmal, in Teamsitzungen, in Konferenzen, in Arbeitskreisen.

Aber nicht nur da. Auch privat kann man manchmal miteinander ganz hervorragend aneinander vorbeireden. Was heißt hier "man"? Ich kann das! Und du vermutlich auch! Denn jede und jeder von uns hat bestimmte Bilder, Gefühle, Gedanken und Erfahrungen im Kopf, die unsere Kommunikation prägen. Persönlich sage ich dazu in therapeutischen Gesprächen immer, dass wir unsere "Schubladen" auftun oder die alten "Heimatfilme" wieder abspielen, wenn Szenen aus der Kindheit oder Jugend, aus einer vorherigen Beziehung oder schlechte Erinnerungen an Reaktionen der Eltern wieder wachwerden.

All das verunmöglicht manchmal eine gute Kommunikation. Ich neige dann gelegentlich dazu, innerlich das Handtuch zu werfen und schalte ab. Im professionellen Bereich kann ich mir das nicht leisten. Aber im Grunde auch nicht privat. Denn ganz schnell zerbrechen dabei Beziehungen oder geraten ins Wanken. Miteinander reden - also echter "Dialog" - beginnt nicht mit dem Reden. Das muss ich mir immer wieder neu hinter die Ohren schreiben. Und genau da gehört der Merksatz auch hin: Richtiges Reden fängt mit dem Zuhören an.