Vertrauen ist gut, Kontrolle ist ...

Wir wissen, wie der Satz weiter geht. Kontrolle ist besser. Die Überwachungskameras sind mittlerweile überall zu finden. Nicht nur in der Nähe der Frauenparkplätze in Tiefgaragen, sondern beinahe in jedem Eingangsbereich von Hotels, Firmen, Supermärkten - ebenso auf den Fluren und natürlich bei Privatbesitzern, die Grund und Eigentum schützen wollen.

"Big brother is watching you" - lautet ein allseits bekannter Spruch. Dahinter steht die Erfahrung, dass wir immer mehr kontrolliert werden. Einmal was bei Amazon gestöbert, und schon bekommst du auf allen möglichen Internetseiten "Produktplatzierungen" feil geboten... Sind wir also doch bald gläsern? Dieser Tage traf ich eine Frau, die mir mit vehementem Ton deutlich machte, warum sie niemals mit EC-Karte einkaufen ginge: "Ich lasse mich doch nicht kontrollieren, wo ich was kaufe!" - Der eigene Sohn hingegen bemerkte ganz lässig: "Ich kaufe fast nur noch bargeldlos ein." So gehen die Meinungen dann auseinander.

Wie viel Kontrolle brauchen wir - wieviel Vertrauen tut uns gut, damit wir mit positiver Motivation leben? Gilt das Gleiche nicht bei den sog. Mitarbeitergesprächen, die bei vielen Firmen im Frühjahr stattfinden? Dienen sie tatsächlich dem gegenseitigen Zuhören, der sachlichen konstruktiven Kritik, oder sind sie letztlich doch nur Formen von "Erkundungstouren" auf offiziellem Wege? Sind die Führungsetagen unserer großen Unternehmen wirklich daran interessiert, wie es den Mitarbeitern geht, und wollen sie auch tatsächlich etwas ändern - oder ist es doch nur heiße Luft, und man hat "pro forma" solche Gespräche geführt? - Ein echtes Mitarbeitergespräch sollte zu 30% motivierend-wertschätzende Rückmeldung beinhalten. 30% sollten der kritischen Selbsteinschätzung des Mitarbeiters dienen, 30% den konstruktiven Rückmeldungen an die Firmenleitung und nur 10% der sachlichen, aber klaren und zugleich konstruktiven Kritik am Mitarbeiter - sofern überhaupt nötig. Und ein kleiner gelber Zettel mit der Notiz "Danke für die Bearbeitung der Sache XY. Gut gemacht!" vom Abteilungsleiter am Bildschirm eines Mitarbeiters das Jahr über ist immer besser, als jemanden im Gespräch runterzuputzen.