Manchmal schaffen wir es nicht!

"Mein Mann ist krank und seit Monaten arbeitsunfähig, das Pferd muss eingeschläfert werden, ich pack es nicht mehr, es jeden Tag noch zu pflegen - das geht schon seit drei Jahren so... Das Holz wurde für den Winter schon geliefert, das liegt draußen und muss zerhackt werden... die Schwiegermutter wohnt mit auf dem Hof und sagt nicht mal Danke... die Enkelkinder müssen mittags bekocht werden, am Wochenende kommen die eigenen Kinder auch noch, und jetzt... jetzt stirbt ganz plötzlich meine Mutter und hinterlässt ein gewisses Chaos im Hausstand ... Als würde ein Fluch auf mir liegen..." - Ich sitze am Küchentisch einer Frau Anfang 40. Es ist einfach zu viel für sie. Sie selbst ist auch krank geschrieben. Es scheint, als müsste gleich alles zusammenbrechen. Die Tränen kullern über die Wangen. Stereotyp wiederholt sie alle paar Sekunden den Satz: "Aber wir schaffen das schon. Irgendwie."

Nein, manchmal schaffen wir das eben nicht - irgendwie. Eigentlich bräuchte sie Urlaub. "Der Arzt meinte, dass wir mal an eine Kur denken könnten...", sagt sie und lächelt über sich selbst spöttelnd. "Wie soll das gehen?"

Das Leben mutet uns manchmal einen Wahnsinn zu. Du hast den Eindruck, du kommst nicht mehr aus dem Hamsterrad heraus. ich bewundere die Frau, wie widerstandsfähig sie ist. Aber ich sehe auch die Verantwortung der Familie, die alles auf ihr ablädt. Alle verlassen sich auf sie. Das Ergebnis ist dann irgendwann der Satz im nächsten Trauergespräch: "Sie war immer für alle da." - Aber was bringt ihr das? Ein lauter Schrei täte gut. Ein lautes "Stopp!" - und einfach mal raus.

Ich konnte ihr nur zuhören und ihr meine Hilfe anbieten - wenn sie mal reden mag. Die Probleme lösen kann ich nicht. Am Ende kommt ihre Tochter rein. Mit dem Enkelkind. "Die Kleine gibt mir etwas Kraft, die lenkt mich ab!", sagt sie mit verweinten Augen. Und dann höre ich die Tochter sagen: "Mama, du musst halt auch mal nein sagen und nicht immer alles regeln wollen..." - Ob darin die Lösung liegt?