Dann gehen Sie eben!

Für Punkt 9:00 Uhr hatte ich einen Termin. Beim Hausarzt. Um 09:15 Uhr dachte ich: Wieso dauert das so lange? Um 09:30 Uhr dachte ich: Du hast noch viel zu tun, hoffentlich wirst du gleich aufgerufen! Um 09:45 Uhr dachte ich: Ich glaub, ich geh da gleich rein und sage den Termin ab, ich werde unruhig. Um 10:00 Uhr wollte ich gerade aufstehen und an die Rezeption gehen, um zu sagen: Hören Sie mal, ich warte seit 9:00 Uhr, streichen Sie den Termin.
Da wurde ich aufgerufen. "Herr Müller bitte in das Sprechzimmer 4." Dort begrüßt mich ein freundlicher Arzt, etwa mein Alter. Ich erlebe nun 35 min ungeteilter Aufmerksamkeit, hohes Interesse an meiner Person, ausführliche Beratung in meinen Anliegen, eine fachliche auf mein Wohl hin orientierte Beratung. Ich war von den Socken.
Vor der Blutentnahme musste ich noch mal im Wartezimmer Platz nehmen. Es war gerappelt voll. Von meinem Platz aus sah ich dann jenes Plakat: Sie wünschen ... Dann machen Sie ... und dann der Hammer: "Sie wünschen keine Wartezeit? Dann wechseln Sie Ihren Hausarzt."

Das schlug dann bei mir ein. Rumms! Voll erwischt. Deine Ungeduld, dein Nicht-Warten-Können und deine zu raschen Urteile, sagte ich mir. Ich war wieder volle Kanne an meiner Achillesferse gepackt worden.
Und doch konnte ich über mich grinsen und lachen. Nicht nur, weil genau in dem Moment auch noch irgendwer im Raum zum Nachbarn sagte: "Das dauert heute mal wieder lang...", sondern weil ich ja genau so einen Arzt gesucht hatte als neuen Hausarzt. Was also will ich eigentlich? "Dann gehen Sie eben!" - das hätte er vielleicht sogar zu mir gesagt, wenn ich mich beschwert hätte. Der Mann hat Profil, weiß, was er will und kann und: wofür er Arzt geworden ist. Er nimmt sich Zeit für seine Patienten. Zu dumm, dass das Wort "Patient" schon sagt, worauf es ankommt: patientia - GEDULD.