Echte Mitfreude will gelernt sein!

Eigentlich hat er nicht damit gerechnet. Das Vorsingen war auch flott erledigt. Es geht um eine Hauptrolle im Musical "Joseph" von A.L. Webber. Maik (Name geändert) fuhr zum Vorsingen, rechnete sich kaum eine Chance aus, denn "genommen wurden ja bisher immer die zwei gleichen Typen." Noch während wir telefonieren und er mir erzählt, dass man ihn einen zweiten Song nicht mal hatte aussingen lassen, kommt per WhatsApp eine Nachricht. Aber er kann sie erst später lesen. Und fällt fast vom Hocker.

Er hat die Rolle. Keine Weltbühne, aber ein Theaterverein, der sich regelmäßig an größere Musicalprojekte heranwagt. Jetzt heißt es also an Wochenenden proben, Einzelunterricht zur Vertiefung und und und. Zeitintensiv wird es schon.

Dennoch überwiegt die Freude. Und ich freue mich mit. Es ist ansteckend ihn halb lachen und  weinen zu hören am Telefon. Er freut sich wie ein Kind.
Und Recht hat er! Das Leben beschenkt uns, oft unerwartet und auf eigene Weise. Es sind die Herausforderungen, die wir meistern dürfen. Ja, nicht "müssen" - dürfen! Und ich freue mich mit ihm. Weil ich es ihm von Herzen gönne und weiß: er kann es.
Aber auch das will gelernt sein, so habe ich einmal in einem Buch beim Dalai Lama gelesen: Echte Mitfreude will gelernt sein. In einer Welt voller Neid ist die Freude des Zweitplatzierten über den Sportkameraden auf dem Siegertreppchen mit der EINS eine Herausforderung. Natürlich - so werden Kritiker sagen - muss er erstmal sein Können unter Beweis stellen. Und rasch sind die selben Kritiker dabei, jemanden in Bausch und Bogen niederzumachen, wenn jemand nicht den Erwartungen entspricht. Aber das alles hat jetzt keinen Platz! Jetzt gilt es erst einmal die Freude zu verkosten - dass einer völlig unerwartet etwas geschafft hat, was ihn glücklich macht. Glückwunsch! Nein: Herzlichen Glückwunsch - du kannst das, Maik!