Strategischer Ruheplatz

Es gibt Orte, da gehen manche Menschen nicht wirklich gerne hin. Dabei sind das manchmal richtig schöne "Naherholungsgebiete". In meiner Heimat war das so mit dem Waldfriedhof in dem Stadtteil, in dem ich groß wurde. Es war so paradiesisch idyllisch, dass ich als Kind sogar mal glaubte, dass Adam und Eva hier begraben sein müssten.

Friedhöfe sind Ruheorte, letzte Ruhestätten. Manch einer sucht schon zu Lebzeiten sein Grab aus, andere wissen, dass sie irgendwann im Familiengrab beigesetzt werden, wieder andere wünschen sich einen ganz bestimmten Baum in einem Waldstück... Interessant wird es daher, wenn man auf einen Friedhof trifft, auf dem alles geordnet und strategisch zugeht. Ich rede von Apolda, in der Nähe von Jena. Das Bild zeigt den Friedhofs-Belegungsplan. Obwohl ich in einem Bundesland lebe, das eher geprägt ist durch eine atheistische Grundstimmung, so ist in der Mitte der Anlage eine Kapelle, die sehr freundlich eingerichtet ist. Um diese Kapelle herum scharen sich die vielen Gräber. Darunter ein sehr großer Teil Urnengräber.

Als ich den Plan sah, musste ich unweigerlich an den Klosterplan von St. Gallen in der Schweiz denken. Auch dort scharen sich die Räume der Mönche und die Wirtschafts- bzw. Funktionsräume um die Kirche. Die Mitte bildet dort der Tabernakel, als der "Schrein", in dem geweihte Hostien vom Gottesdienst aufbewahrt werden.

Auf dem Friedhof von Apolda ist auch eine Kapelle mitten in der Anlage angesiedelt, um sie herum eine Vielzahl von Grünflächen, Wald- und Wiesenanlagen, an denen "man" seine letzte Ruhe finden kann. Eine Oase des Friedens.

Doch hier ist das Totsein strategisch geplant. Hier hat alles seinen Platz und seine Nummer. Vielleicht brauchen wir das ab und an... damit alles bis zum Ende gut geregelt ist. Es beruhigt. Doch... wie wenig beschäftigen wir uns wirklich gerne mit dem Sterben und dem Tod?! Für viele ist der Tod befremdlich und angsteinflössend. Ich finde es gut, einen Platz zu haben, an dem man mit sich, mit Gott und der Welt im Frieden ist. Ein Ort der Ruhe. Vor einigen Wochen durfte ich eine Frau beerdigen. Der demente Ehemann auch war dabei. An eines konnte er sich gut erinnern: "Wir waren auf dem Friedhof, wir haben uns ein schönes Plätzchen ausgesucht, wo wir auch einen guten Ausblick haben!" So muss man das anpacken, hab ich mir gedacht! Also dann!