Und weg damit!

Keine Ahnung, ob es wirklich so war... Aber ungewöhnlich ist das schon. Da bin ich mit einem lieben Freund und unseren beiden Hunden unterwegs in den Weinbergen nahe Bad Kreuznach, und was finden wir am Wegesrand? Eine weggeworfene Krücke! "Und weg damit! Ich bin geheilt!" - das kam mir als erstes in den Sinn. Wie in dieser biblischen Geschichte, wo der Gelähmte aufspringt und wie ein Wilder umherläuft. Wen es interessiert: Apostelgeschichte 3,1-11.
Früher soll es sowas ja öfter gegeben haben. Es gibt Wallfahrtsorte, da hängen an den Wänden der Kapellen nicht nur sog. "Votiv-Tafeln" mit Dankesworten, sondern auch Krücken, Gehhilfen und sonstige Dinge, die jemand nach der Heilung nicht mehr brauchte.
Ob das hier wohl auch so war? Wieso wirft einer mitten im Weinberg seine Krücke - auch nur EINE weg? Was ist da passiert? Konnte er auf einmal wieder laufen? Hat man ihn verfolgt und er hat buchstäblich "die Beine in die Hand genommen" und das "Laufen gelernt"?
Wir haben in unserem Leben viele "Krücken", auf die wir uns stützen. Menschen, die wir brauchen (oder von denen wir abhängig sind - oder an die wir uns klammern); Gegenstände, an denen wir uns festhalten, und die wir nicht hergeben können; Erinnerungen, die uns glücklich machen oder uns immer wieder vor Augen halten, wie furchtbar früher doch alles war...
Das Loslassen von manchen Momenten, Personen oder Dingen ist gar nicht so leicht. Ob derjenige sich erleichtert gefühlt hat, nachdem er die Krücke wegwarf?
Nun denn... wie es auch immer gewesen sein mag, wir werden es nie erfahren. Aber wir können darüber nachdenken, worauf wir uns stützen, wovon wir abhängig sind, oder woran wir uns klammern ... und: ob wir ab und an auch mal loslassen sollten... Weg damit...