Wer ist die Erste Geige?

Es ist ein Ritual. Vor Konzertbeginn erhebt sich die "Erste Geige", gibt den richtigen Ton an und alle Instrumente, die zuvor noch wild durcheinander einzelne Passagen geübt haben, stimmen sich darauf ein. Dann betritt der Dirigent den Orchestergraben oder die Bühne, die Menschen klatschen und der erste Handschlag nach einer Verbeugung vor dem Publikum gilt der "Ersten Geige".
Die "Erste Geige" zu sein hat in unserem Sprachgebrauch oft einen negativen Beigeschmack. Es ist der Vorwurf, dem wir jemanden machen, ob er denn immer die erste Geige spielen will... Andere hauen ständig auf die Pauke, posaunen alles vor sich her, müssen ständig den Ton angeben usw. Wir kennen diese Metaphern. Doch die "Erste Geige" übernimmt eine wichtige Funktion. Sie sorgt dafür, dass Harmonie herrscht im Gesamt der Instrumente.

Am vergangenen Freitag durfte ich "Die Zauberflöte" in der Oper Leipzig genießen. In der Pause war für ein paar Minuten der Orchestergraben leer. Ich konnte nicht anders, als überlegen, welchen Platz ich gerne in dem großen Orchester des Lebens einnehmen möchte. Die Frage möchte ich auch dir gerne stellen: Welches Instrument spielst du? Damit meine ich nicht das Musikinstrument. Sondern: Welchen Platz hast du in diesem Leben? Steve Jobs, der Gründer von Apple, sagte einmal: "Lebe so, dass du eine Delle im Universum hinterlässt!" - Manche meinen, dazu müsse man ein großer Künstler oder Politiker sein. Vielmehr aber meinte er: Mach etwas aus deinem Leben - spiel das Instrument und die Melodie, die für dich passend ist! "Wähle das Leben!" - sagt uns die Bibel. 

Spirituell betrachtet lädt der heutige letzte Sonntag im Kirchenjahr, der Christkönigsonntag, ein, sich genau dieser Frage zu stellen: Gott ist der Dirigent unseres Lebens. Jesus die "Erste Geige". Er gibt den Ton an: sein Wort, an dem wir uns orientieren können. Dieser "Logos" verleiht der Melodie auch Sinn. Lassen wir mal die Frage dahingestellt sein, wie gerne wir alle manchmal selbst Dirigent oder Erste Geige wären... Lasse ich mich vom Taktgefühl des Dirigenten leiten? Oder spiele ich einfach drauf los? Es wäre seltsam, würde ein Dirigent sagen: "Ich bin das Alpha und das Omega" - aber vom ersten bis zum letzten Ton ist der Dirigent so etwas wie unser Gott. Die Frage ist: Spielen wir unser Instrument, spielen wir die Melodie, akzeptieren wir die Erste Geige - Jesus? Übrigens: Ich fand den Triangelspieler, der das Glockenspiel betätigte sympathisch. Ich habe ihn nicht gesehen, aber... gehört. Leise. Wohltuend.