Winterschlaf der Fleißigen

Sie stehen in Kästen fein geordnet im Garten meines Bruders. 17 Bienenvölker. Aber es ist alles still zur Zeit. Kein Surren, kein Summen, kein Ein- und Ausfliegen. An den Öffnungen könnte auch ein Schild hängen "Heute Ruhetag" oder "Wir sind im Winterschlaf". Doch, ab und an, kommen sie raus, erzählt mein Bruder mit Leidenschaft. Sie kommen raus, wenn die Sonne scheint. Aber eigentlich schlafen die fleißigen Geschöpfe mit dem gelb-schwarzen Pelzgewand jetzt tief und fest. Mein Bruder und sein Nachbar kümmern sich um die 17 Völker, die wohl rund 170.000 bis 200.000 Bienen beherbergen. Unglaublich... DDR-Plattenbau auf kleinstem Raum, ohne Mietpreisrangeleien.

 

Aber wenn ich an Bienen denke, kommen mir sofort drei Impulse. Erstens: Sie sind die filigranen, tanzenden Strategen unter den Fluggeschöpfen Gottes, ohne jegliche Hektik, wie sie die Wespen in der Regel verbreiten. Das Einsammeln vom Nektar der Blumen verläuft in gleichförmiger, tänzerischer Performance, fast schon beruhigender Art. Zweitens: Ich denke immer wieder an den Gesang des "Exsultet" zur Osterkerze in der Osternacht, wenn dort gleich zweimal von den Bienen die Rede ist: "Aus dem köstlichen Wachs der Bienen bereitet..." und "... denn die Flamme wird genährt vom schmelzenden Wachs, das der Fleiß der Bienen für diese Kerze bereitet hat." Mich hat dies immer in besonderer Weise angerührt. Drittens: Der Fleiß der Bienen kennt aber auch die Pause: Den verdienten Winterschlaf. Wenn die Völker sich etwas reduziert haben, und Ruhe einkehrt in das sonst so umtriebige Schaffen und Erzeugen von feinstem goldenen Saft der Bienen. - Ach, wir können es in allem den Bienen gleichtun. In Ruhe unserer Arbeit nachgehen, fast tänzerisch, Gott ein Lob- und Danklied singen auf das Wunderwerk unseres Schaffens, und die Ruhe genießen über das Vollbrachte.

Kleiner "Nachtrag": Bienen machen keinen Winterschlaf wie andere Tiere, es ist eher eine Art "stand by"-Modus. Wenn sie zur Toilette müssen... fliegen sie mal flott raus. ;-)