Reiche über Reiche

Sie bauten einst hoch auf Bergen oder zumindest auf Hügeln: Die Fürsten und Herzöge. Ihre Burgen und Schlösser - und Thüringen ist übersäät davon - sind bis heute Touristenziele und bieten attraktive Programme, wie etwa die Leuchtenburg, gerade mal 10 km von mir entfernt. Im Jahre 1221 wird sie zum ersten Mal erwähnt. Im Volksmund trägt sie den würdevollen Titel „Königin des Saaletals“. Einmal war die Burganlage mittelalterlicher Amtssitz, dann Armenhaus, schließlich "Irrenanstalt" bzw. "Zuchthaus". Heute finden dort Konzerte und Ausstellungen statt, und wer will, kann fürstlich speisen.
Zwar sind es nur knapp 400 Höhenmeter, die sie über das Land hinausragt, aber von hier aus haben einst schon die Wettiner regiert. Reiche über Reiche reihten sich aneinander. Damit meine ich: Fürstenreiche und Königreiche, die miteinander auch in Bruderkriegen konkurrierten.
So schwer, wie es einst war, diese Burg zu bezwingen, so schwer scheint es für manche Menschen, in das "Reich Gottes" zu gelangen. Jesus geht im Evangelium dieses Sonntags darauf ein (Markusevangelium 10,17-30). Eher gehe ein Kamel durch eine schmale, enge Wadi-Schlucht ("Nadelöhr"), als dass ein Reicher das Reich Gottes betreten dürfe.
Auch heute muss ein Besucher sich anstrengen, die Burg zu "bezwingen", denn der Parkplatz liegt ein kleines Stück außerhalb am Fuße des Hügels. "Für Menschen ist das nicht möglich", sagt Jesus mit Blick auf das Reich Gottes. Aber für Gott. Er kommt dem Menschen entgegen.

Von einigen Fürsten und Herzögen kann man das auch sagen: Von Kurfürst Johann Friedrich dem Großmütigen etwa, oder der Landgräfin Elisabeth von Thüringen kann man das behaupten. Sie kamen den Menschen grozherzig entgegen und haben hier und da eine Pforte geöffnet - ins Leben, mitten in einem menschlichen "Königreich".


(Foto: https://burgenarchiv.de/grafiken/bilder/thur/leuchtenburg3.jpg)