Freier Fall nach dem Fliegen

Nein, ich lag nicht am Boden, um dieses Foto aufzunehmen. Ich saß hinter der Frontscheibe meines Autos und der Himmel lachte mich an und ... naja, so entstand das Foto. Entmystifiziert, nennt man das jetzt. Macht aber nix. Der "freie Fall" im Leben hat ja auch nichts "Mystisches", im Gegenteil. Und während meine Scheibenwischer die Blätter wegwehten, fiel mir ein altes Lied ein.


Ein Lied von Alexandra (kennt die noch jemand?) mit dem Titel "Der Traum vom Fliegen" kam mir in den Sinn. Schon ewig nicht mehr gehört. Ein Herbstlied. Darin beschreibt sie auf ihre typisch melancholische Weise das Leben, Fliegen und Vergehen eines Blattes... Hier der Text:

 

An einem Baum in dem Park der großen Stadt, hing unter tausenden Blättern ein Blatt. Sang der Nachtwind in den Bäumen, wiegte sich das Blatt in Träumen von der weiten herrlichen Welt. Könnt ich nur einmal wie der Wind fliegen... Mit den Wolken übers Meer, ach mein Leben gäb ich her,  könnt ich fliegen, könnt ich fliegen... Bald kam der Herbst, gab dem Blatt sein schönstes Kleid, doch es klagte den Wolken sein Leid: "Bleiben muss ich und verblühen, könnt ich mit den Schwänen ziehen, dorthin, wo der Sommer nie vergeht..." Da rief der Herbstwind: "Du sollst fliegen! Fliegen!" Und er riss vom Baum das Blatt, trieb es in die große Stadt, liess es fliegen, liess es fliegen. Kurz war das Glück. Müde sank das Blatt hinab auf die Straße, sein regennasses Grab. Schon am Ende seines Lebens rief das kleine Blatt vergebens zu den stummen Häusern hinauf: "Könnt ich nur einmal noch im Wind fliegen! Flög ich hin zu meinem Baum, und vergessen wär der Traum vom Fliegen, vom Fliegen..."

 

Der freie Fall kommt nach dem Fliegen... Aber... wer nie vom Baum fällt, lernt auch nie das Fliegen!