Nicht nur ein Hinterhof...

Machen Sie mit mir eine Zeitreise... in einen Hinterhof in Jena. Wir schreiben das Jahr 1548. Zwei Professoren, Victorin Strigel und Johannes Stigel, ziehen mit 171 Studenten in das ehemalige Dominikanerkloster zu Jena, das "Collegium Jenense", und gründen die "Hohe Schule". 1558 wird sie Universität. Der Fächerkanon war einfach: Philosophie, Theologie, Recht und Medizin. Aus den nicht mal 200 Studiosi sind heute rund 25.000 Studierende an Universität und Fachhochschule geworden. Bei 110.000 Einwohnern macht das die Stadt geradezu jugendlich...

Doch zurück zum "Hinterhof", den man auf dem Bild sieht. Genau an dieser Stelle begann also das studentische Leben der Stadt. Unter all den "Großen" der Stadt Jena fallen dann im Laufe der Jahrhunderte bedeutende Namen wie Goethe, Schiller, Hegel und Fichte, die das Geistesleben prägen. Luther wird die Stadt ebenso gekannt haben, saß er doch auf der Wartburg bei Eisenach als Junker Jörg längere Zeit in literarischer "Haft" des Kurfürsten. Andere, wie Abbe, Zeiß und Schott, legten die Grundsteine für das wirtschaftliche Wachsen.

Auch wenn ich selbst nicht zu einer Studentenverbindung gehöre, so beeindruckt mich die Tatsache, dass in Jena eine klassische  studentische Lebensweise ihren Anfang nahm und auch Auswirkungen in die Politik hatte. Denn: In Jena bildeten Studenten jene "Urburschenschaft", deren schwarz-rot-goldene Fahne - heute die Nationalfarben - seit dem Treffen auf der Wartburg 1817 den demokratischen Geist von Einigkeit und Recht und Freiheit zum Ausdruck brachte. Bis heute kann man deren Fahne auf der Wartburg im großen Festsaal sehen. Und all das begann in einem Hinterhof...