Aus den Augen, aus dem Sinn?

„Ich seh' ihr noch lange nach, seh’ sie die Wolken erklimmen. Bis die Lichter nach und nach ganz im Regengrau verschwimmen. … Über den Wolken …“

Es ist eines seiner bekanntesten Lieder: „Über den Wolken“ von Reinhard Mey. Wir kennen dieselbe Szene vom Bahnhof, wenn ein Zug mit einem lieben Menschen langsam auf den Gleisen dahinrollt und letztlich nur die Schlusslichter noch zu sehen sind… Abschied. Loslassen.

 

Maria Himmelfahrt - das Fest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel - ist nirgendwo in der Bibel verankert. Es ist Volksglaube und seit 1950 ein kirchliches Dogma, wird aber bereits seit dem 5. Jahrhundert als "Heimgang" Marias gefeiert. Mit Leib und Seele aufgenommen zu sein bei Gott… - vielleicht sollten wir noch ergänzen: Mit Leib, Geist und Seele aufgenommen sein. Der ganze Mensch ist bei Gott, wenn er stirbt. Aber der ganze Mensch ist auch zu Lebzeiten in Gott geborgen. Für unseren Alltag und die Momente, in denen wir Abschied nehmen von lieben Menschen, kann das eine Hilfe sein: Der ganze Mensch, mit Leib, Geist und Seele ist auch in unserem Herzen, in unseren Gedanken.

Wir fühlen uns einander verbunden, selbst über Raum und Zeit hinaus. Das ist wichtig. Denn damit können wir nicht nur gut trauern und loslassen, sondern vor allem weiter leben, wenn wir den Eindruck haben, dass alles zusammenbricht, dass jetzt, wo z.B. der Ehemann verstorben ist, nichts mehr geht. Viele Menschen fühlen sich blockiert, wenn sie verlassen werden. Eine Scheidung hinterlässt Wunden und Kränkungen. Ein Abschied, wenn einer eine Reise tut, löst Trauer aus. Manche haben Verlustängste, weil „aus den Augen“ zu sein, oftmals auch bedeutet „aus dem Sinn“ zu sein.

 

Für Christinnen und Christen ist die verbindende Mitte immer der Glaube an den einen Gott und an den Heiligen Geist, der mit Jesus und untereinander verbindet. Da gibt es kein wirkliches „hier“ und „dort“, kein „fern“ oder „nah“, sondern nur ein „mit“. Wir sind miteinander als Glaubende auf dem Weg - egal, wo wir sind und leben. Von wegen: Aus den Augen, aus dem Sinn!